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März 05
      Pressemeldung  
Zernatto: Bereinigter Netztarifvergleich sieht Österreich im europäischen Schnitt Pressemeldung drucken
Einen weiteren Beitrag zur Versachlichung der Diskussion rund um die österreichischen Netztarife wolle das Forum Versorgungssicherheit leisten, so dessen Sprecher Christof Zernatto anlässlich der Präsentation einer Plaut-Economics-Studie zur „Berücksichtigung struktureller Unterschiede bei europäischen Stromnetz-Preisvergleichen“.

 
„Uns geht es darum, dass die Energiewirtschaft nicht zuletzt durch Errichtung und Instandhaltung von Stromnetzen weiter in Versorgungssicherheit investiert. Kontraproduktiv ist dabei, wenn in sehr emotionaler Form über Preise diskutiert wird, ohne dass faire vergleichbare Daten vorliegen. Das war für uns Grund genug, die vorliegende Studie zu veranlassen und damit allen Beteiligten sachliche Daten für die Beurteilung der Lage zur Hand zu geben“, stellt Christof Zernatto klar.

„Die aufgeregt geführte Diskussion zum Preisniveau der österreichischen Stromnetze verstellt den Blick auf einen wesentlichen Umstand: Strom ist in Österreich günstiger als im Schnitt der EU-15“, so Christof Zernatto anlässlich einer Presskonferenz zur Präsentation der Studie. „Trotzdem hat uns interessiert wie sich der Grad der Versorgungssicherheit aber auch andere Faktoren auf die Stromnetz-Preise auswirken.“ Besondere Aktualität habe das Thema vor dem Hintergrund der von der Regulierungsbehörde verordneten bzw. angekündigten Senkungen der Netztarife.

Die Studie zeigt eines sehr deutlich: Internationale Vergleiche von Netznutzungsentgelten – wie sie z.B. im oft zitierten 4. Benchmarking-Report der Europäischen Kommission präsentiert werden – sind zwar sehr anschaulich, mitunter aber irreführend. Diese Vergleiche geben an, welches durchschnittliche Netznutzungsentgelt die Stromverbraucher in verschiedenen Ländern zu bezahlen haben. Die Schlussfolgerung, dass Preisdifferenzen zwischen den Ländern die unterschiedliche Effizienz der Netzbetreiber aufzeigen, ist nahe liegend – aber falsch. Einfache Preisvergleiche sind deswegen nicht aussagekräftig, weil der Einfluss wesentlicher Kostenfaktoren vernachlässigt wird.

Studienautor Dr. Wild von Plaut Economics erläutert die fünf Faktoren, für die in der vorliegenden Studie Korrekturen vorgenommen wurden:

- die G-Komponente, das ist die Aufteilung der Netznutzungsentgelte zwischen den Endverbrauchern und den Kraftwerksbetreibern,
- das inländische Lohn- und Preisniveau (gemessen durch die Kaufkraftparitäten), denn für den Bau und Betrieb von Elektrizitätsnetzen werden zu einem beträchtlichen Teil nicht-handelbare Produktionsfaktoren (z.B. für Tiefbauarbeiten) eingesetzt,
- die Fixkostendegression, da die Netzkosten zu einem großen Teil aus Fixkosten bestehen, die unabhängig von der transportierten Energiemenge sind. Je höher der Energieverbrauch pro Netznutzer ist, desto größer ist die Energiemenge, auf welche die Fixkosten verteilt werden. Das benachteiligt in einem Preisvergleich Energieversorger mit kleinen Kunden.
- die Siedlungsstruktur, da sowohl sehr dünn besiedelte ländliche Gebiete als auch extrem dicht besiedelte Innenstädte mit höheren Kosten verbunden sind.
- die Versorgungsqualität, denn wenn Qualitätsaspekte bei einem Preisvergleich vernachlässigt werden, ergibt sich eine systematische Benachteiligung von Netzen mit hoher Versorgungssicherheit.

Diese fünf Faktoren bilden natürlich nur einen Teil der strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern respektive den Stromnetzen ab. Weitere für Österreich kostenrelevante Faktoren konnten in der vorliegenden Studie – infolge fehlender international vergleichbarer Daten – nicht untersucht werden (Belastungsgrad, klimatische und topografische Besonderheiten, Vorschriften, Abgaben, Subventionen etc.).

Doch bereits die Berücksichtigung dieser fünf Faktoren bietet einen aussagekräftigeren Preisvergleich und zeichnet für Österreich ein bei weitem positiveres Bild als der aktuelle EU-Benchmarking-Report.

Die Preisunterschiede zwischen Österreich und den europäischen Vergleichsländern für Niederspannungs-Industriekunden reduzieren sich im bereinigten Vergleich um zwei Drittel und für Haushalte gar um über drei Viertel. Als wichtige Strukturfaktoren für Österreich erwiesen sich die Berücksichtigung von Fixkostendegression, Siedlungsstruktur und Versorgungsqualität.

Die aktuellen Netznutzungsentgelte für Mittelspannungs-Großverbraucher in Österreich liegen auch ohne Bereinigung beim EU-Durchschnitt. Werden die Netzentgelte der verschiedenen Kundengruppen in einem gewichteten Preisindex zusammengefasst, zeigt sich, dass Österreich nach einer Bereinigung nur noch um 7.6% über dem Durchschnitt liegt. Es ist davon auszugehen, dass dieser Wert bei Bereinigung um weitere Faktoren, die in der vorliegenden Studie wegen fehlender international vergleichbarerer Daten nicht vorgenommen werden konnte, noch weiter sinkt.

Mit den durch den Regulator bereits verordneten bzw. in Aussicht genommenen Senkungen der Netznutzungstarife wird Österreich bereits sichtbar unter dem EU-Durchschnitt liegen. Beim tatsächlich von den Stromkunden (also der nachfragenden Wirtschaft bzw. den Konsumenten) zu bezahlenden Gesamtstrompreis ist dies ja bereits der Fall.

„Bevor deshalb regulierungsrelevante Schlussfolgerungen aus internationalen Preisvergleichen abgeleitet werden, ist eine sorgfältige Analyse und Korrektur der Preise notwendig. Die vorliegende Studie ist dabei als erster Schritt zu verstehen. Würden etwa aufgrund des 4. EU-Benchmarking-Reports – ohne jegliche Korrektur für Strukturunterschiede – mögliche Effizienzsteigerungspotenziale der österreichischen Netzbetreiber abgeleitet, würden diese massiv überschätzt. Und würden die Netztarife in Österreich im vom EU-Report suggerierten Ausmaß gesenkt, ist langfristig eine Verschlechterung der Versorgungsqualität zu befürchten“, schließt Christof Zernatto.

Wien, 3. März 2005, Forum Versorgungssicherheit


 
Pressemeldung zum Download : 2005-03-02_PA_Plaut-Studie.doc  
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